Mulch, Gründüngung und Pottiputkis

Die Radtour raus aus der Stadt nach Radebeul zur solidarischen Landwirtschaft deinHof ist heute besonders lohnenswert, denn Jan-Hendrik Cropp wird uns zeigen, wie Mulch im Garten zum Einsatz kommt.

Mulch? Was ist das denn? Wozu wird diese Technik genutzt? Und welche Materialien werden verwendet? Lockt das nicht Schnecken und Wühlmäuse an?

Jan hat auf all diese Fragen Antworten. In einem kurzen theoretischen Input erklärt er uns erst einmal, warum mulchen eine gute Idee ist.

Mulchtechnik kopiert von der Natur, denn was da passiert scheint zu funktionieren! Riesige stabile Ökosysteme haben sich über viele Jahrhunderte eingependelt und bieten gesunden Lebensraum für Pflanzen und Tiere, ganz ohne menschliches Zutun. Das wollen wir faulen Gärtner auch.
Also schauen wir uns den natürlichen Waldboden an. Hier finden wir unbearbeiteten, durchwurzelten und mit vielen abgestorbenen Pflanzenteilen bedeckten Boden. Auf Waldboden lässt sich nicht wirklich Gemüse in großen Mengen anbauen, aber wir können durch die Technik des Mulchens ein paar wesentliche Eigenschaften imitieren und so die Vorteile des immer bedeckten Bodens nutzen.

Zum einen erzielen wir mit Mulch einen Verdunstungsschutz und müssen weniger gießen. Da wo er liegt, fällt es den meisten Unkräutern schwer zu wachsen und wir ersparen uns so das viele jäten (ausgeschlossen sind leider Quecke, Ampfer, Distel und Winde, die sich über Wurzeln verbreiten). Mulch schützt den Boden vor Temperaturextremen. Er gibt Schutz bei kalten Temperaturen und hält den Boden an heißen Sommertagen kühl. Bei wärmeliebenden Pflanzen wird durch zu frühes mulchen allerdings die Wachstumsphase etwas nach hinten verzögert (wie wir es bei den Auberginen auf den Feldern der SoLaWi beobachten können). Da bleibt es abzuwägen ob die Vorteile die Nachteile überwiegen. Mulch kann auch vor bestimmten Krankheitsbefällen schützen: zum Beispiel Pilzkrankheiten aus dem Boden, die sich beim Gießen über Spritzwasser an der Pflanze ansammeln – denn der Mulch dient als Spritzschutz.

Eine ganz wesentliche Qualität von Mulch ist seine düngende Wirkung. Je nach Material werden dem Boden wichtige Nährstoffe zugeführt, die die Pflanze stärken und den Ertrag steigern. Dabei gilt die Faustregel: Je grüner das Material, desto höher die Düngkraft. Frischer Grünschnitt eignet sich perfekt zum mulchen. Er darf dabei nicht zu fein sein, da er sonst gärt und zu viel Wärme produziert. Deswegen empfiehlt Jan, die Rasenfläche im Garten dreimal im Jahr zu sensen oder im Herbst direkt eine Gründüngung zu pflanzen, die im nächsten Frühjahr einfach plattgedrückt und als Mulchschicht genutzt werden kann. Die Mulchschicht sollte idealerweise 7 bis 10 cm dick sein.

Je nach gewünschter Funktion und Praktikabilität kann auch mit Stroh, Holzschnitzel, Schafwollesund sogar Steine gemulcht werden. Die düngende Wirkung von Grünschnitt oder Silage (haltbar gemachter Grünschnitt aus der Vorsaison) kann dabei nicht erzielt werden, jedoch aber die anderen Vorzüge des Mulchs.

Neben der Theorie vermittelt uns Jan später auf dem Feld noch viele praktische Tipps zum Einsatz der Methode im Garten.
Für faule Gärtner oder Betreiber eines landwirtschaftlichen Betriebes empfiehlt er zum Beispiel die Nutzung eines Pottiputkis: ein in Finnland erfundenes Gerät, dass eigentlich zum Pflanzen von Bäumen genutzt wird, aber auch kreativ zum Pflanzen von Gemüse in eine dicke Mulchschicht umgenutzt werden kann.

Ertrag steigern, weniger jäten und gießen sowie eine bessere Pflanzengesundheit: Mulch ist eine multifunktionale Lösung für viele Probleme! Schnecken vertreibt er leider nicht, aber er scheint sie Jan zu Folge auch nicht besonders anzuziehen. Das ist allerdings ein ganz eigenes Kapitel!


Danke an Christiane für die Fotos und an Julie für den Bericht