Wildes Pflanzenwissen

Die Stadt ist unser Garten! Das konnten wir am Samstag ganz praktisch beim Workshop „gerührt und geschüttelt“ mit Barbara Ott erfahren: Es ging darum, was neben den für viele GärtnerInnen bekannten Holunderblüten oder Brennesseln noch so „draußen“ an Essbarem oder Heilbarem wächst und wie es verwendet und verarbeitet werden kann.

Trotz dunkler Regenwand und angekündigtem Gewitter haben sich 20 Menschen am Treffpunkt eingefunden. Los geht es mit einer Wildkräuterwanderung durch die Elbwiesen zwischen Flutrinne und Flügelwegbrücke. Barbara schärft unser Bewusstsein für die vielen essbaren Kräuter, die hier wachsen: Johanniskraut, Beinwell, Klette, Natternkopf, Hirtentäschel, Malve, Beifuß, Distel, Schöllkraut, Ochsenzunge, Königskerze, Nachtkerze, Echtes Labkraut, Wiesenlabkraut, Klettenlabkraut, Wegwarte, Dost, Kanadische Goldrute … Besonders das gelb blühende echte Johanniskraut fällt mir überall auf: es blüht immer um den Johannistag (24. Juni) herum und ist als emotional stärkendes und beruhigendes Kraut bekannt. Aus diesem stellen wir später auch einen kalten Ölauszug, ein sogenanntes Mazerat her: in eine Flasche voller Blüten wird Öl hinzugegeben und anschließend für einige Wochen an einem hellen Ort gelagert. Wichtig: ab und zu schütteln, bevor man es abseiht. Das sich rot färbende Öl kann als Massageöl bei Rheuma, Hexenschuss oder als linderndes Mittel bei Sonnenbrand verwendet werden.

Solche durch Mazeration gewonnene Öle sind wiederum die Basis für die Herstellung von Salben: aus einem von Barbara bereits vor einigen Wochen angesetztem Ringelblumenöl stellen wir eine wundheilende Ringelblumensalbe her, indem Bienenwachs (eventuell auch Wollfett) hinzugegeben und erhitzt wird. Die kleinen Töpfchen, eine Herdplatte, dunkle Fläschchen und Messbecher wecken bei mir Erinnerungen an den Chemieunterricht, das ganze ist aber viel spannender und am Ende kommt was anwendbares raus, das wir auch mit nach Hause nehmen dürfen… Wichtig ist bei der Mazeration, gute und kaltgepresste Öle zu verwenden, beispielsweise Olivenöl oder Leinöl.

Neben den Ölauszügen lernen wir auch das Herstellen von Tinkturen: Pflanzenteile (je nach Pflanze können das die Wurzeln, die Blätter oder auch die Rinde sein) kleinschneiden und mit hochprozentigem Alkohol übergießen. Das ganze ebenfalls einige Wochen, am besten an einem dunklen Ort, stehen lassen und ab und zu bewegen, bis sich der Alkohol mit den Wirkstoffen der Pflanzen gesättigt hat. Und dann: frohes Anwenden und Ausprobieren 🙂


Vielen Dank an Anne für den Bericht und an Gregor für die Fotos!