Saat gut, alles gut

Selbstbefruchter oder Fremdbefruchter, samenfest oder F1-Hybride, Kreuzblütler oder Lippenblütler – rund um die Saatgutgewinnung gibt es wirklich eine Menge Wissen, Angst haben muss dennoch keiner. Denn so einige unserer häufig angebauten Gemüsearten (wie etwa Bohnen oder Tomaten) kann eigentlich jeder problemlos selbst vermehren.

Alles, was wir im Garten ernten, beginnt mit einem Samen. Daher sollte man eigentlich meinen, die Gewinnung von Saatgut würde zentraler Teil jeglicher gärtnerischer Ausbildung sein. Dem ist aber leider nicht so, denn egal ob ökologischer oder konventioneller Landbau – fast alle, die für den Markt produzieren, greifen heute auf Hybridsorten (sogenannte F1-Hybride) zurück, die nur von ganz wenigen großen Unternehmen hergestellt werden können. Durch diese Hybride und weil das Wissen um Saatgutvermehrung verschwindet, leiden sowohl Vielfalt als auch Unabhängigkeit auf den Feldern und in unseren Gärten.

Unsere Referentin Franziska Wenk von der Johannishöhe Tharandt beschäftigt sich schon lange mit der Herstellung von Saatgut: sie ist Samengärtnerin, kultiviert, erhält und vermehrt überwiegend alte Sorten, die teils aus der Region stammen und nur noch selten zu bekommen sind . Das von ihr hergestellte (und in vielen Bioläden in Dresden erhältliche) Saatgut ist samenfest, was bedeutet, dass es prinzipiell auch von jedem von uns weitervermehrt werden kann.

Franziska führte uns also zunächst in die Grundlagen der Botanik, Pflanzenfortpflanzung und Saatgutgewinnung ein, anschließend konnten wir bei einer kleinen Runde durch den GolgiPark direkt eine praktische Beispiele entdecken und später selbst Hand anlegen beim Drusch, Sieben und Reinigen von Saatgut verschiedenster Pflanzenfamilien.

… und hier noch ein paar heiße Erkenntnisse aus dem Workshop:

  • Saatgut wird in der Regel erst gewonnen, wenn die Früchte richtig ausgereift sind. Das heißt: meist später als geerntet wird. (Ausnahme: Tomaten)
  • Einfach zu vermehren sind sogenannte Selbstbefruchter. Dies sind Pflanzen, die sich selbst befruchten. Hierzu gehören zum Beispiel Bohnen, Erbsen und die meisten Tomatensorten mit Ausnahme von Fleisch- und Wildtomaten
  • Fremdbefruchter sind hingegen etwas schwieriger. Bei diesen Pflanzen erfolgt die Befruchtung durch Insekten- oder Windbestäubung. Dadurch kommt es in der Regel zu nicht kontrollierbaren Verkreuzungen mit anderen Sorten. Zu den Fremdbefruchtern zählen zum Beispiel Möhren, Kürbisse und Mais.
  • Wusstet ihr, dass Rote Beete und Mangold zur selben Art gehören und sich daher sehr leicht verkreuzen können?
  • Achtung: Kürbisse sollte man besser nicht selbst vermehren. Unter den Cucurbita sind im Wesentlichen drei verschiedene Arten in Kultur: c. maxima (u.a. Hokkaido), , c. moschata (u.a. Butternut) und c. pepo (u.a. Zucchini, Ölkürbis, Ziersorten) – hier kann es zur Verkreuzung mit Zierkürbissen kommen, die giftige Bitterstoffe weitervererben können.
  • Saatgut sollte sauber, trocken und dunkel gelagert werden, kleine Twist-Off-Gläser oder bei größeren Mengen Eimer mit Deckel eignen sich gut.
  • die Samenreife lässt sich gut am Welken der Pflanze erkennen, grünes/saftiges sollte nicht mehr dran sein. Um ggf. auftauchende Restfeuchte zu eliminieren, kann man dem Saatgut etwas Reis oder Gesteinsmehl beimengen.
  • Die meisten Samen sind 3-4 Jahre keimfähig, manche sogar bis zu 6 Jahre. Bei Möhre und Pastinake nimmt die Keimfähigkeit aber schon nach einem Jahr rapide ab.
  • Für die Reinigung des Saatguts werden meist folgende Grundtechniken angewendet:
    Fermentation und anschließendes Trocknen (bei gallertumschlossenen Samen wie bei Tomate)
    Trockenreinigung, teils zuerst Dreschen – bei diesem mechanischen Prozess werden die Samen durch Schlagen, Pusten und/oder Sieben von weiteren Pflanzenteilen oder Samenhüllen gelöst. Besonders gut funktioniert das Dreschen mit Handsieben. Aufgrund der verschiedenen Samengrößen braucht man daher auch gleich mehrere Siebe.

Vielen Dank an Flo für den Text und an Britta für die Fotos.