radeln – Eine Fahrradtour durchs Gartennetzwerk

Es war ein leicht bewölkter, doch vielversprechender Sonntag morgen, an dem sich eine Gruppe von ca. 35 interessierten FahrradfahrerInnen am Bischofsplatz versammelte, um gemeinsam eine Tour zu sieben Gemeinschaftsgärten, welche exemplarisch für die Vielfalt der Dresdener Gemeinschaftsgartenszene stehen, anzutreten. Verschiedene Projekte aus dem Dresdener Gartennetzwerk luden ein sich umzuschauen, die verschiedenen Anbauweisen zu bestaunen und Fragen zu stellen. Als ersten besichtigten wir  den mobilen Gemeinschaftsgarten hechtgruen im Hechtviertel, der jedes Jahr aufs Neue entsteht.

An der zweiten Station dem Aprikosengarten hörten wir etwas über Organisationsprozesse in den Arbeitsgruppen und erfuhren, dass eine Teilnehmerin der Radtour selbst einen Gemeinschaftsgarten gründen möchte und die Tour als Inspiration nutzte.

Als Critical Mass (wir waren ja weit über 16 Personen) traten wir fröhlich in die Pedalen an der Elbe entlang hin zum Wächtergarten, der direkt am Wächterhaus liegt. Spannend hierbei war, dass das Gartenprojekt, als vertrauensstiftende Maßnahme, eine Nutzung des Wächterhauses erst ermöglichte. In dem Haus befinden sich Büro- und Werkstattflächen für soziale und kreative Projekte. Zusammen mit dem Wächtergarten bilden diese eine perfekte Symbiose aus kreativem Schaffen, Gemeinschaft und Gärtnern bzw. Naturerfahrung. Eine ganz neue Form zu arbeiten und kreativ tätig zu sein.

Schwer beeindruckt radelten wir weiter gen Löbtau und besuchten dort den Columbusgarten. Dieser ist als ein Projekt in Kooperation mit der Stadt Dresden entstanden und ist im Vergleich zu den anderen Gärten sehr offener und frei zugänglich. Ein großer freier Platz mit Grill und festangelegten Wegen fließt über in einen Bereich, in dem ein paar dutzend Beete zum gärtnerischen Schaffen zur Verfügung stehen. Diese werden individuell von Interessierten bearbeitet. Ein paar Beete werden explizit noch frei gehalten, um es Menschen mit Migrationshintergrund zu ermöglichen, sich über ein niedrigschwelliges Angebot, wie das gemeinschaftliche gärtnern, in den Stadtteil zu integrieren, Kontakte aufzubauen und ihnen bekannte Pflanzen anzubauen. Der Garten soll ganz bewusst einen Austausch der Kulturen ermöglichen. Die Fläche lädt mit ihrer Größe und Infrastruktur auch dazu ein größere Feste und Veranstaltungen zu beherbergen.

Der Himmel wurde etwas düsterer als wir uns auf den Weg Richtung Apfelgarten Strehlen machten. Dort angekommen wurde die Gruppe erstmals selbst kreativ: ein Regenschauer überraschte uns und ließ uns kurzer Hand Fenster, die als Baumaterial im Garten gesammelt wurden, zu einem mobilen, von Menschenhand getragenem Regendach umfunktionieren. So rückte die Gruppe auch etwas näher zusammen und es ergab sich das eine oder andere philosophische Gespräch.

Nachdem der Regenschauer vorbei war fuhren wir leicht durchnässt tapfer weiter in den Kleinen Garten, wo bei erneutem Sonnenschein von der experimentellen Umgestaltung des Uferrandstreifens in Zusammenarbeit mit dem Umweltamt erzählt wurde.

Nach fünf Stunden Radeln und Staunen knurrte den meisten von uns der Magen und wir machten uns auf zur letzten Station: dem Gemeinschaftsgarten Johannstadt, wo ein kleines Buffet (inklusive Knöterichragout und Nudelsalat) und Getränke uns stärkten, bevor wir auch hier gespannt lauschten, wie der Garten entstand und wächst.

Fazit des Tages: Es gibt viele Arten und Weisen einen Gemeinschaftsgarten aufzubauen und zu organisieren. Das hängt ganz von den lokalen Gegebenheiten, Gelegenheiten und der Gruppenstruktur ab. Ob klein oder groß, mit Anschluss an weitere Projekte oder selbstständig, Gemeinschaftsbeete oder individuelle Beete, Schwerpunkt auf Gärtnern oder Bauprojekte, halb- oder ganz öffentlich … zwischen den jeweiligen Polen liegt ein Spektrum zahlreicher Möglichkeiten, von denen in Dresden einige ausprobiert werden. Zu sehen, wie verschiedene Projekte entstehen und sich entwickeln, ist sehr inspirierend und motivierend.

Und wieder mal wurde mir etwas bewusster, was es bedeutet zu sagen: „Die Stadt ist unser Garten!“

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