wild und genießerisch … auf der Jagd

Bericht von Volker Croy und Fotos von Christiane Kupfer – vielen Dank!

Vom vereinbarten Treffpunkt aus sammelten wir uns kurz auf einer nahen Wiese, um dort in passender Atmosphäre die Vorstellungsrunde zu machen, bei der auch Beweggründe der Teilnehmer, sowie ihre Lieblingsunkräuter erfragt und erfahren wurden. Die Gruppe war gut gemischt, auch einige ältere Generationen waren dabei. Wenngleich die Anmoderation durch Volker etwas holprig war, schien das die Anwesenden aber nicht zu stören. Denn Schwerpunkt des Workshops waren ja essbare Kräuter.
Dann begann die eigentliche Wanderung. Recht zu Anfang driftete die Gruppe etwas auseinander, da einige Teilnehmer Fragen zu Pflanzen hatten oder unterwegs interessante Pflanzen fanden, während die Hauptgruppe mit Julia schon voranging. Die Nachzüglergruppe immer hinterdrein und gut beschäftigt mit sich und den Pflanzen.
So gab es interessante Entdeckungen bei der Wanderung: Sibirische Heidelbeeren – leider noch unreif – und Mahonien am Omsewitzer Ring, Kornelkirschen im Volkspark, schmackhafte Blüten (z.B. Traubenkirsche, Holunder Robinie, Magerithe, Gänseblümchen), unterschiedlich geschmackvolle Pflanzenteile z.B. Linde, Wicke (schmeckt wie Erbse), Spitzwegerich (schmeckt nach Steinpilz), Blüten der Traubenkirsche (schmecken leicht wie Kirschen), Maitriebe von Fichten (schmecken nach Zitrone und Harz), Hopfenspitzen (schmecken leicht nussig und nicht nach Hopfen), Meerrettich. Zahlreiche neue Erkenntnisse für die Anwesenden.
Julia offenbarte  beträchtliches Wissen, nicht nur über Kräuter und Fundorte, sondern auch über deren Verwendung und Besonderheiten, z.B. dass Lattich der Vorfahr vieler unserer Salate ist und dass Robinienblätter durch Kochen ihr Gift verlieren.
Der Besuch auf dem Friedhof in Cotta (»Gottesacker«) war ein beruhigender Bezugspunkt. Die Wanderung durch den Volkspark und den Omsewitzer Graben offenbarte Blickwinkel, die keiner der Anwesenden je bemerkt hatte. So wurden Pflanzen bemerkt, die wahrscheinlich keiner bisher wahrnahm.
Den krönenden Abschluss der Wanderung bildete eine Einkehr in Julias Garten mit einer Mahlzeit aus Brot und Gelees bzw. Pestos aus wilden Früchten und Kräutern. Dabei waren besonders die Gelees hervorzuheben, welche aus Kornelkirsche, Mispel, Eberesche (mit Kornelkirsche) und Fichtenspitzen bestanden. Besonders das Fichtenspitzengelee faszinierte mit einem herrlichen Geschmack die Teilnehmer. Um diese Auswahl an Gelees und Pestos zu beschreiben, mussten eindeutig neue Wörter und Synonyme für »Genuss« gefunden werden. Dies sah man den Teilnehmern auch deutlich an.
Danach trennte sich die Gruppe – satt, zufrieden, glücklich und um viel Wissen reicher.