Politik und Gärten, was geht in Dresden?

Am Samstag Nachmittag trafen sich bei bestem Spätsommerwetter 16 Garten-Begeisterte im Wächtergarten (der dieses Jahr wunderschön umgestaltet wurde), um sich – ganz im Kontrast zum sonstigen Seitentriebe-Programm – mal nicht mit den praktischen Seiten des Gärtnerns zu beschäftigen, sondern über die politischen Aspekte von Stadtgärten, Gestaltungspielräume, Kooperationen und Visionen auszutauschen.


Danke für die Fotos an Gregor.

Mitgeplaudert haben:
– Monika von den Internationalen Gärten
– Karsten, Manuel, Heiko, Karl und Ines vom Aprikosengarten
– Volker vom Apfelgarten, Kolmweg, Permamars und Stadtverband Dresdner Gartenfreunde
– Verena vom Stadtverband Dresdner Gartenfreunde und Galerie Module
– Andreas vom Stadtverband Dresdner Gartenfreunde
– Thomas, Sebastian, Markus, Julie und Gregor von den UFER-Projekten
– Ingo aus dem Gemeinschaftsgarten Johannstadt, Ortsbeirat Dresden Blasewitz, DAMF
– Heidi von Pro Pieschen

In der angeregten Diskussion ging es zunächst einmal um die akute Bedrohung des Aprikosengartens: Der Mehrgenerationen-Garten in Pieschen wurde zwar erst vor vier Jahren mithilfe des Stadtplanungsamtes ins Leben gerufen und mit EU-Mitteln gefördert, soll jetzt aber etwa zwei Drittel seiner Fläche abgeben, auf denen zunächst eine Schul-Turnhalle und später eventuell eine Schul gebaut werden soll. Die Vorschläge der Aprikosengärtner, die Fläche gemeinsam zu nutzen, scheinen bisher nicht auf offene Ohren zu stoßen. Um deutlich zu machen, welche Bedeutung der Garten mittlerweile als Stadtteil-Entwicklungsprojekt hat, werden jetzt O-Töne von Nachbarn und Nutzern gesammelt und bald veröffentlicht.

Daraus entwickelte sich die größere Fragen:
– wie die verschiedenen Gärten gemeinsam ihre Wichtigkeit fürs Stadtbild und die Stadtentwicklung verdeutlichen können,
– welche Rolle das GartenNetzwerk dabei spielen solle und
– wie eine Zusammenarbeit mit dem Stadtverband der Dresdener Gartenfreunde aussehen könnte (der ja 50.000 Kleingärtner vertritt).

Die erste Frage könnte man auch mit Lobby-Arbeit für Gärten in der Stadt überschreiben. Julie und Gregor berichteten, dass sie sich seit einer Weile gezielt mit dieser Aufgabe beschäftigen und den Verlauf von Gesprächen mit verschiedenen Akteuren auch schriftlich festhalten, sodass andere nachsehen können, mit wem schon mal worüber gesprochen wurde. In diese Dokumentation sollen im Idealfall alle aus dem Netzwerk ihre Erfahrungen und Gesprächs-Ergebnisse zu diesem Thema einfließen lassen können.

Ingo erzählte, dass in der Stadtverwaltung öfter das Vorhaben zu hören wäre, Grünflächen vernetzen zu wollen. Außerdem betonte er (aus seiner Erfahrung als Ortsbeirat), wie hilfreich es sei, Gartenprojekte hin und wieder bei den Ortsämtern vorzustellen. Daneben kam die Idee einer Bustour auf, bei der man Stadträten die verschiedenen Projekten vorstellen könnte. Gemeinschaftsgärten könnten im Dresdner Themenstadtplan eingezeichnet und auf der städtischen Website verlinkt werden und darüber hinaus in das entstehende Konzept für Dresdens Bewerbung als Kulturstadt 2025 eingebracht werden.

Wir beschlossen, einen Newsletter zu schaffen, der einerseits bei besonderen Neuigkeiten und Bedarfen per mail und andererseits regelmäßig in Druckform an Interessierte (und solche, die es werden sollten) geschickt werden kann. Dieser soll u.a. auch aussagekräftige Zahlen, und Forschungsberichte enthalten. Die vielen Forschungsanfragen, die das GartenNetzwerk erreichen, könnten bewusst auf die Frage der Relevanz für die Stadtentwicklung gelenkt werden.

Zur möglichen Rolle des GartenNetzwerks, teilte Sebastian zunächst die Beobachtung, dass der Beitritt eines Projekts zum Netzwerk sehr niedrigschwellig ist und daraus kaum gemeinschaftliche Bindung entsteht. Folglich wissen wir auch nicht genau, was die einzelnen Projekte sich vom Netzwerk wünschen, bzw. wie viel Legitimation jene Aktiven bekommen, die sich im Namen des Netzwerks für Stadtgärten einsetzen. Die Anwesenden waren sich recht einig darüber, dass es sich lohnt, eine von den Netzwerk-Mitgliedern unterstützte Institution zu haben, die sich mit der politischen Ebene des Stadtgärtnerns beschäftigt – und damit den einzelnen Projekten viel Einzelkämpfer-Arbeit ersparen kann. Deshalb erschien es uns auch lohnenswert, den Austausch in beide Richtungen zu verstärken: Die Möglichkeit, bei Schwierigkeiten zu vermitteln oder Netzwerkkontakte zu aktivieren könnte stärker an die Mitglieds-Projekte kommuniziert werden. Die einzelnen Projekten hingegen könnten z.B. in ihren Webauftritten aufs Netzwerk verweisen. Die Möglichkeit, Veranstaltungs-Termine auf der Netzwerk-Website zentral zu veröffentlichen sollte mehr genutzt werden. Zur besseren Verständigung kam mal wieder die Überlegung auf, Netzwerk-Treffen regelmäßig zu machen und feste Ansprechpartner in jedem Garten zu erbitten. Es wurde auch die Idee geäußert, die Mitglieds-Projekte könnten gemeinsam eine Stelle für die politische und Öffentlichkeitsarbeit finanzieren. Andernfalls könnten auch Fördermittelgeber für das Anliegen gesucht werden – ein Ansatz den Thomas und Gregor in den kommenden Monaten verfolgen möchten.

Die Zusammenarbeit mit dem Stadtverband der Gartenfreunde wächst ja nun schon seit etwa einem Jahr: Wir bündeln die Kräfte für das gemeinsame Anliegen, den Grünanteil der Stadt zu erhalten, oder besser noch zu vergrößern und dabei bürgerschaftliches Engagement, Soziale Integration, Klimaschutz und ökologisches Lernen zu fördern. So haben sich mittlerweile auch Gemeinschaftsgärten in Kleingartensparten gebildet und den Weg ins Netzwerk gefunden – und andersherum wurden Interessierte in Kleingärten vermittelt, die ihre eigenen vier Hecken wollen. Nach einem gemeinsamen Auftritt bei der Verbrauchermesse zu Ostern, möchten wir weitere gemeinsame Öffentlichkeitsarbeit betreiben: Verena, die seit Kurzem die Öffentlichkeitsarbeit des Stadtverbands gestaltet, möchte beim Amtsblatt fragen, ob wir in einer gemeinsamen Rubrik Neuigkeiten und Kontaktdaten veröffentlichen können. Weiterhin könnte die Druckversion des erdachten regelmäßigen Newsletter von Stadtverband und Netzwerk zusammen gefüllt und produziert werden. So könnten wir als Gemeinschaftsgärten uns fester in das öffentliche Bild der Stadt Dresden integrieren und Kooperationen und Planungsmitsprache ermöglichen.

Nach einer zweistündigen Diskussionen vertieften wir verschiedene Ideen dann noch entspannt bei einer leckeren Kürbissuppe. Alle verabschiedeten sich fühlbar froh über die guten Ideen und die nun fühlbare Vernetzung weit über die Gemeinschaftsgärten hinaus. Wir können unsere über Jahre aufgebauten Strukturen nutzen, um eine schöne Symbiose von Gärten und Stadt entstehen zu lassen.  Solche Treffen kann es gern öfter geben. Wir sehen uns bei der Umsetzung der vielen guten Ideen!

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