Kompostieren lassen, nicht Kompost machen

„Das werden ja immer mehr.“ Sichtlich überrascht begrüßen das Seitentriebe-Team und Referent Sebastian Pomm von Annalinde aus Leipzig am Montag Mittag die zahlreichen Gäste des Workshops „Kompostieren – Eine Reise durch den Magen des Gartens“. Etwa 30 Besucher haben den Weg auf sich genommen, um auf dem Gelände der Solidarischen Landwirtschaft deinHof in Radebeul etwas über den Aufbau eines Kompost, auch Rotte genannt, zu erfahren. Der Ort ist gut gewählt, denn auch deinHof steht beim Aufbau eines Kompostsystems noch in den Anfängen und ein gutes Bodenmanagement ist schließlich in ökologischer und ökonomischer Hinsicht eine durchaus kluge und wichtige Angelegenheit.
Bevor sich die Besucher aber die Hände schmutzig machen dürfen, erläutert Sebastian zwischen Folientunnel und Strohballen einige Grundlagen des Kompostierens. So erfahren wir, dass ein Kompost „angelegt“ und nicht etwa „gemacht“ wird. Mit dem richtigen Anlegen eines Komposts werden die geeigneten Voraussetzungen für diejenigen Helfer (Edaphon) geschaffen, die dann durch ihren Stoffwechsel unseren Kompost „machen“: Mikroorganismen, also Bakterien und Pilze, schließlich Regenwürmer und andere Bodenlebewesen. Dies gilt für alle Arten von Rotten, für Kalt- als auch für Heißrotten. Heißrotten können in der Abbauphase des organischen Ausgangsmaterials aufgrund der intensiven Stoffwechseltätigkeit der Bakterien unglaubliche Temperaturen bis zu 80 Grad Celsius im Kern erreichen. Der Vorteil der Heißrotte besteht vor allem darin, dass die starke Hitzeentwicklung Unkrautsamen keimunfähig macht und „böse“ Bakterien vernichtet. Bis zu einer Temperatur von etwa 75 Grad werden Schädlinge, darüber dann auch nützliche Bodenorganismen von der Hitze dezimiert. Möchte man am Ende der Kompostierung einen guten und vitalen Humusboden erhalten, so gilt es, die Temperaturentwicklung durch ein geeignetes Kohlenstoff-Stickstoff-Verhältnis, kurz C-N-Verhältnis, von etwa 30 zu 1 im Pflanzengemisch des Kompost zu regeln. Stickstoff ist das Kraftfutter der Bakterien. Ist zu viel davon im Spiel, dann kann der Kompost sämtliches Bodenleben „verbrennen“. Ist zu wenig Stickstoff im Kompost, dann bleibt er kalt. Einmal drauf pinkeln, eine dünne Schicht Rasenschnitt, Kohlblätter oder ein totes Huhn in der Mitte sollen da schon geholfen haben, die Rotte auf Touren zu bringen. Zur groben Orientierung kann man sich merken: grünes Pflanzenmaterial bringt mehr N in die Rotte, braunes Material, wie Gehölzschnitt oder auch Stroh, steigert den Kohlenstoffanteil. Ist das Pflanzenmaterial gut zerkleinert, bietet es Bakterien mehr Oberfläche zum andocken. Ein guter Kompost braucht außerdem noch ausreichend Sauerstoff und Feuchtigkeit. Denn Bakterien wollen auch atmen und trinken. Als kleines und feines Extra kann etwas Gesteinsmehl zur Förderung des Ton-Humus-Komplexes hinzugefügt werden. Letztlich ist es wie beim Brot backen: Man muss ausprobieren und Erfahrungen sammeln, um die richtige Mischung aus den verfügbaren Zutaten zu finden.
Soweit zur Theorie. Mit Keksen gestärkt und Tee aufgewärmt sollen die Erkenntnisse nun endlich beim gemeinsamen Aufbau einer Heißrotte in die Tat umgesetzt werden. Der Platz für die neue Rotte ist freigeräumt. Lange Stängel von Gurken und Tomaten werden mit Spaten und Scheren zerkleinert, frisches Gras zusammen geharkt. Schicht für Schicht baut sich der Kompost auf. Am Boden grobes Material für eine bessere Drainage zurechtgelegt, darüber feinerer Schnitt von Tomaten- und Gurkenpflanzen. Eine dünne Schicht Gras bringt Stickstoffpower in die Rotte. Holz- oder Pflanzenkohle sorgen für den notwendigen Anteil an Kohlenstoff. Das Ganze wird unter gelegentlicher Zugabe einer dünnen Schicht Gesteinsmehl so lange wiederholt, bis das gesamte Pflanzenmaterial in der Rotte verbaut ist. Zum Schluss darf die Rotte gern noch eine Decke bekommen, damit sie in Ruhe ihre Arbeit verrichten kann. Wenn alles gut geht, heizt sich die Rotte schon in den kommenden 24 Stunden auf bis zu 60 Grad Celsius auf. Nach etwa drei Wochen sollte die Rotte so gewendet werden, dass der Kern nach außen verlagert wird und der Mantel nach innen. Das jedoch überlassen wir den solidarischen Landwirten von deinHof.

Kompetente und kompakte Informationen zum Thema gibt es im Buch „Kompost – Gold im Biogarten: Richtlinien zur Kompostgewinnung und Kompostanwendung“ von den Benedikinerinnen der Abtei Fulda.
Wer direkt bei Sebastian nachfragen will, kann sich bei ihm unter email versteckt, bitte JavaScript aktivieren melden.

Vielen herzlichen Dank an Christian Bärisch für den Text und Britta Pichler für die Fotos!