Was man alles machen kann! Workshop mit Naturmaterialien.

Am 16. September fand im Kleinen Garten Strehlen der vierte Workshop der Querstreben statt, der dazu inspirierte, allerlei praktische Dinge, die man im Garten oder zu Hause braucht, selbst aus Naturmaterialien herzustellen.

Unser Referent, Gauthier, ist nicht nur ein begabter Tüftler, Instrumentenbauer, Holzkünstler und Naturpädagoge, er ist auch nicht zu bremsen, wenn es darum geht, praktische Probleme durch Basteln und Bauen zu lösen. Wir hatten ihn eingeladen, seine Inspiration und Erfahrung zu teilen, um andere anzustecken und das etwas Handwerkszeug zu vermitteln.

Als kleine Auswahl stellte er uns vier Pflanzen (neben Holz im Allgemeinen) vor, aus denen wir praktische Dinge herstellen könnten:

  • den Staudenknöterich – von vielen Gärtnern gehasster invasiver Neophyt, aus dessen bambusartigen Stängeln man aber allerlei basteln kann (abgesehen davon, dass er eine essbare Heilpflanze ist, den Boden reinigt, ist und als Energiepflanze taugt)
  • die Weide  – deren weiche, gut flechtbaren Zweige ja bekannt sind
  • die Brennnessel – aus der man nicht nur lecker Essen und Jauche, sondern auch Fäden und Stricke machen kann
  • die Birke – deren ölhaltige Rinde man nicht nur nutzen kann, um Dächer oder Boote zu dichten, oder selbst bei Nässe Feuer zu machen, sondern auch, um Gefäße daraus zu basteln oder Kleber herzustellen

Zuerst schabten wir von der Rindestücken einer toten Birke die Holzreste ab und stopften die Rinde dicht in eine Blechdose mit einem kleinen Loch im Boden. Diese wurde dann umgedreht auf eine leere Blechdose mit gleichem Durchmesser gestellt, die in der Feuerstelle eingegraben war. Durch ein darum entzündetes Feuer, das wir von nun an drei Stunden am Brennen hielten, löste sich Teer aus der Rinde. Der tropfte langsam (und von außen natürlich nicht sichtbar) in die untere Dose. Dafür war es wichtig, dass wir die Rinde so herum in die obere Dose gesteckt hatten, dass ihre Leitgefäße senkrecht standen – so wie am Baum auch.

Dann schnitten wir aus im Spätherbst geernteten verholzten Stängel des Staudenknöterichs Segmente oder Spalten. Diese verarbeiteten wir weiter zu Bewässerungsröhrchen (Wasser sickert langsam durch die Wand), Flöte, Feuerblasrohr oder Beetbeschriftungs-Schildchen. Gauthier zeigte uns, dass man sie auch für ausgeklügelte Sachen, wie diese Regalverkleidung benutzen kann.

Danach nahmen wir uns die Brennnesseln vor. Nachdem sie von Blättern und Seitentrieben befreit waren, walzten wir kurz mit einem Stöckchen ein Stück der Stengel platt und konnten dann die einzelnen Fasern auseinander ziehen. Diese verzwirbelten wir mit einer gegeneinander drehenden Technik zu festen Schnüren.

Als kleine Zugabe aus der Welt des Upcyclings mit Restmaterialien zeigte Gauthier uns, wie man alte Textilien zum Beispiel zu Abwaschschwämmen und Topflappen upcyclen kann. Dazu schneidet man z.B. ein altes T-Shirt (nur wenn es wirklich niemand mehr tragen möchte) spiralförmig in einen mehrere Meter langen Stoffstreifen. Dann bindet man vier Stöckchen zu einem Rahmen zusammen und webt den Stoff ein. Am Ende zieht man in durch alle entstandenen Schlaufen, während man die Stöckchen rauszieht und knotet das Ende fest.

Am Ende lüfteten wir noch das Geheimnis in den Dosen im Feuer: In die untere war tatsächlich einiges an Teer getropft, der aromatisch roch und ordentlich klebrig war. Damit konnten wir Holz aneinander kleben. Hiermit muss man vorsichtig umgehen, da längerer Hautkontakt oder Kontakt mit Lebensmitteln gesundheitsgefährdend sein kann. Für kleinere Holzklebe-Arbeiten im Außenbereich ist er aber geeignet, was übrigens schon die Neanderthaler zu nutzen wussten.

 

Das schwierigste Projekt war die Herstellung eines Bechers (der auch nicht ganz fertig wurde) aus einem Baustamm. Ähnlich wie bei einem Fass legt man dafür mehrere gespaltene Kreissegmente aneinander. Man sägt sich dazu ein becherlanges Stück Stamm ab und spaltet es längs genau durch die Mitte. Dann spaltet man die beiden Hälften wiederum in Viertel und Achtel. Sehr wichtig ist dabei, sich zu merken, wie die Stücke verbunden waren, damit man sie am Ende wieder wirklich dicht zusammenfügen kann. Im nächsten Schritt spaltet man die inneren Spitzen der Stücken ab, um den späteren Innenraum des Bechers herzustellen. Dabei sägt man sie ein Fingerbreit über dem späteren Boden ein, um diesen beim Spalten stehen zu lassen. Als letztes setzt man die Teile wieder zusammen und bindet sie mit darumherum gelegten Stricken fest.

Wir waren von all den Inspirationen begeistert und wünschten uns eine Fortsetzung im nächsten Jahr.

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